1. Fastenwoche

 

 


 

Der Stern ist ein wichtiger Anhaltspunkt für unseren Gast. Der Stern weist ihm den Weg. Alle warten noch auf den Gast.

 

Moderator: Unser wichtigster Gast fehlt noch. Ich denke, er hat sich verspätet. Vielleicht hat er ein Problem, uns zu finden.

Aber ich habe eine Idee. Unser Gast folgt doch einem Stern. Und Sterne kann man doch auch erst sehn, wenn es dunkel ist. Wir machen jetzt mal das Licht aus. Ihr braucht auch keine Angst zu haben. Nur aufpassen müsst ihr, was jetzt passiert.

 

Lied: Wir singen alle hallelu...

 

Moderator: Nun ist der Stern, nach dessen Lauf sich unser Gast richtet, hier aufgegangen und ich denke, dass er auch gleich hier auftritt.

 

Lied: Wo ich gehe. . .

 

( Der König kommt während des Liedes )

 

Moderator: Herzlich willkommen, wir alle freuen uns, dass du endlich da bist. Wo kommst du her?

 

Kl. König: Ich komme von weit her und habe mich vor einiger Zeit auf den Weg gemacht, um zu dem neugeborenen König zu gelangen. Der Stern weist mir den Weg. Als ich in meinem Land aufbrach, da nahm ich schöne Geschenke mit für den neugeborenen König. Die schönsten zartgewebten Leinenstoffe, kostbare Edelsteine, Säckchen voll von Goldkörnern und einen Krug Honig. All dies hab ich mitgenommen für den neugeborenen König. Dann habe ich mein treues zottiges Pferd gesattelt und habe mich eines Nachts auf den Weg gemacht, denn da leuchtete der Stern ja am hellsten.

 

Moderator: Bist du denn jetzt ganz allein unterwegs?

 

Kl. König: Ja, ich habe zu Hause alles meinen Getreuen überlassen. Sie kümmern sich um mein Land und ich will den neugeborenen König finden und mich vor ihm verbeugen ( verbeugt sich ) und ihm diese Geschenke bringen.

 

Moderator: Nun hast du ja schon sicher einiges erlebt bis hierher. Erzähl uns doch mal.

 

Kl. König: Ja, am Anfang ritt ich durch die Gegenden meines Landes, die ich kannte. Doch als ich an die Grenze kam, bewegte ich mich auf unbekanntem Land, da war es mir schon manchmal etwas unheimlich zumute, aber ich habe ja ein Ziel vor Augen, du weißt schon ...!

 

Moderator: Hast du am Tag geschlafen und bist in der Nacht dem Stern gefolgt?

 

Kl. Köng: Ja, so habe ich es gemacht und dann habe ich von zu Hause geträumt, von Gurken und Kwaß.

 

Moderator: Ich glaube, du musst uns erklären, was Kwaß ist!

 

Kl. König: Kwaß ist eine köstliche braune Limonade, die die Frauen in meiner Heimat für die Kinder zubereiten. Kwaß löscht so herrlich den Durst und ist schon von kindesbeinen an mein Lieblingsgetränk gewesen. Und die Gurken, musst du wissen, sind bei mir zu Hause schön sauer eingelegt und mit einem herzhaften Knoblauchduft gibt es sie auf dem Markt. Oh, die Träume von Gurken und Kwaß sind mir am liebsten.

Und dann, weisst du, die Musik in Rußland. Hör mal – so klingt sie . .

Russiches Lied

Moderator: Wie ist es dir denn unterwegs ergangen?

 

Kl. König: Zuerst einmal gab es für mich viel Neues zu entdecken. Ich habe viele Menschen kennen gelernt, die mir aus ihrem Leben erzählt haben. Und oft habe ich Elend gesehn und Mitleid mit den Menschen gehabt, die mir begegnet sind. Mir ist klar geworden,wie brennend nötig die Welt doch einen neuen Herrscher braucht. Einen, der die Verfolgten schützt, die Unterdrückten wieder aufrichtet, die Gefangenen befreit, die Kranken heilt und die Gerechten belohnt.

 

Moderator: Erzähl doch mal etwas genauer. Wir sind schon ganz gespannt auf deine Geschichten.

 

( Bettler taucht auf, geht bettelnd durch die Reihen der Kinder )

 

Kl. König: Einmal hatte ich in einer Scheune geschlafen, dem Pferd hatte ich am Abend den Maltersack umgehängt, den Sattel abgenommen und die Packtaschen verstaut. Dann habe ich in der Nacht ganz tief und fest geschlafen und von Gurken und Kwaß geträumt. Aber als ich wach wurde, hörte ich ein schreckliches Stöhnen. Es hatte sich in der Nacht noch jemand in die Scheune geschlichen. Eine junge Bettlerin. Sie hat in der Nacht ihr Kind, ein kleines Mädchen, zur Welt gebracht.

Ich war im ersten Moment ganz hilflos, doch dann habe ich mir ein Herz gefasst, habe etwas zu essen und zu trinken besorgt und ihr so gut ich konnte geholfen.

Für das Kind trennte ich von meinen guten Leinen, das ja eigentlich für meinen ersehnten König sein sollte, ein halbes Dutzend Windeln ab und so brauchte das Kind nicht mehr nackt und bloß im Stall zu liegen. Ich gab der Bettlerin noch etwas aus dem Goldvorrat und machte mich am Abend auf den Weg.

 

Bettler kommt auf die Bühne

 

Moderator: He, was willst du denn hier?

Bettler: Ihr feiert doch hier ein Fest. Da gibt’s bestimmt auch was zu essen und zu trinken. Ich hab seid gestern nichts mehr in den Bauch bekommen.

 

Moderator: Also, tut mir leid. Du siehst doch, gerade ist unser Ehrengast gekommen. Ich bin gerade dabei, ihn den Kindern vorzustellen. Du störst – komm nachher noch mal wieder.

 

Kl. König: So kannst du ihn doch jetzt nicht einfach wegschicken. ( Packt aus ). Hier, guter Mann, ein Brot und ein paar Gurken kann ich dir geben. Riech mal . . .

 

Bettler: Mmh, lecker Knoblauch.

 

Kl. König: Und hier sind noch ein paar Goldstücke, damit kommst du einige Zeit aus.

 

( Bettler dankt und geht )

 

Kl. König: So, nun kann ich wirklich nur noch von Gurken träumen – jetzt hab ich wirklich keine mehr. Aber ich will jetzt weiter. Schau, da leuchtet er wieder mein Stern.

 

Lied: Lasst uns miteinander . . .

 



2. Fastenwoche


 

Moderator: Ein Fernrohr müsste man haben. Dann könnten wir dem kleinen König vielleicht viel besser helfen bei seiner Suche. Kinder, ich habe eine Idee. Jetzt machen wir uns alle ein Fernrohr.

( Hand wird vor`s Auge gehalten )

 

Lied: Wo ich gehe ...

 

Der kleine König kommt wieder auf die Bühne. Er nimmt sein Fernrohr und blickt auf und sieht in Ferne.

 

Moderator: Hallo, kleiner König, ich sehe, du hast dein Fernrohr zur Hand genommen. Was kommen denn da für komische Gestalten. Schnell, Kinder, nehmt euer Fernrohr zur Hand. ( die heiligen drei Könige kommen von der Seite dazu, kl. König geht ab )

 

Kaspar: Dort hinten sehe ich eine dunkle Gestalt.

 

Melchior: Es ist allgemein bekannt, dass es in dieser Gegend von Räubern nur so wimmelt.

 

Balthasar: Wir sollten nichts überstürzen. Aber vielleicht könnte dieser Geselle uns nützlich sein.

( die drei heiligen Könige gehen ab, kleiner König ist zu sehen )

 

Kl. König: Was sind das denn für seltsame Hügel, die da durch die Landschaft schwimmen? Ach, sie kommen wohl langsam näher. Ich will hingehen und mir das ansehen.

 

Kaspar: Bleib stehen, was willst du von uns?

 

Kl. König: Ich folge einem Stern. Ich bin aufgebrochen, weil ein Stern über meinem Königreich das größte Ereignis der Welt ankündigte: der neugeborene König. Und wer sind sie? Und was führt sie hierher?

 

Melchior: Wir kommen aus fernen östlichen Ländern. Und wir haben auch einen Stern gesehen. Ich heiße Melchior. Und das sind Kaspar und Balthasar.

 

Balthasar: Es ist allgemein bekannt, dass wir als Sternforscher uns solch ein Naturspiel nicht entgehen lassen.

 

Kaspar: ( zu Melchior gewandt ) Wir sollten nichts überstürzen. Wir sollten dort lagern, speisen, und uns mit unserem kleinen Freund unterhalten. Vielleicht ergeben sich neue „Erkenntnisse“!

 

Balthasar: Erzähle uns, wann die der Stern begegnete und was er dir bedeutet.

 

Kl. König: Es ist in Rußland eine alte Weisheit, die von Vater zu Vater weitergegeben wurde, und die zuletzt auch zu mir gekommen ist. Ein Stern wird aufgehen, der die Herabkunft des Allherrschers über das ganze Erdreich angekündigt wird.

 

Kaspar: Es ist allgemein bekannt, dass ein solcher Stern die Geburt eines großen Helden ankündigt.

 

Melchior: Wir sollten nichts überstürzen. Vergleichen wir, was unsere Ziele sind.

 

Kl. König: Ja, äm -, ich habe ihnen eben nicht ganz zugehört.

 

Melchior: Wohin willst du?

 

Kl. König: Ach, ich weiß es ja nicht. Ich laufe einfach dem Stern hinterher und verlasse mich ganz auf die Verheißung meiner Väter.

 

Kaspar: Dann weißt du also auch nichts Genaues?

 

Kl. König: Nein, mehr weiß ich nicht. Aber ich freue mich schon sehr auf den, für den der Stern aufgegangen ist.

 

Melchior: Also, es ist allgemein bekannt und bei uns wissen das auch alle klugen Leute: wo dieser Stern einmal zur Ruhe kommt, da wird ein Kind geboren werden. Und das wird einmal der größte König, der weiseste Arzt und der höchste Priester werden.

 

Balthasar: Wir sollten nichts überstürzen. Aber wenn wir bei dem Kind angekommen sind, wollen wir es anbeten und ihm unsere Gaben überreichen

 

Kl. König: Aber, . . .das ist doch der gleiche Grund, aus dem auch ich aufgebrochen bin.

 

Melchior: Woher kommst du noch mal?

 

Kl. König: Aus Rußland.

 

Melchior: Rußland? Ist das nicht das kleine Ländchen hinter den sieben Bergen?

 

Balthasar: Es ist allgemein bekannt, dass Rußland weit, weit im Norden liegt und dort die Menschen immer im Winter leben.

 

Kl. König: ( lacht ) Im Winter? In Rußland ist es wunderschön. Im Winter ist es kalt und im Sommer, da blühen die Wiesen und alle Menschen sind glücklich. Und nirgends sonst gibt es unser geliebtes Kwaß zu trinken. Ich kenne kein schöneres Land als mein Rußland. Und es gibt auch kein größeres.

 

Lied: Wiederholung der russischen Liedes

Kaspar: Ja, ja, wir wollen nichts übertreiben. Es ist sicher ein abenteuerliches Land, wo Leute wie du König sind.

( Zu den anderen ): Lasst uns aufbrechen und eine Herberge suchen, wo wir einkehren können. Heute kommen wir nicht mehr weit. Es ist dunkel geworden. Und Hunger habe ich auch.

 

Kl. König: Eine Herberge gibt es hier nicht. Aber ein paar Schritte weiter in westliche Richtung, dort ist ein kleines Schlößchen. Draußen steht ein Schild, dass auch nur an hohe Herren vermietet wird. Mich haben sie allerdings nicht einmal durch das Gartentor gehen lassen.

( Zu den Kindern ): Aber so wie ich angezogen bin, in meinem staubigen Mantel, der schon hier geflickt ist: ich bin irgendwie ganz anders. Nicht „so“ ein König wie die. Klar, ich hätte meine Diener mitbringen können -

einige Hundert sind auf unserem Hof, aber...

( Balthasar fällt ihm ins Wort )

 

Balthasar: Es war – interessant – mit dir zu reden. Vielleicht haben wir die weiterhelfen können. Mach`s gut.

 

Kaspar: Es ist allgemein bekannt, dass eine gute Nachtruhe wichtig ist, will man gesund bleiben und auf den langen Wegstrecken bei Kräften bleiben. Also such dir ein gutes Nachtlager – auf Wiedersehen.

 

Kl. König: Ja, aber...

 

Melchior: Du solltest nichts überstürzen. Ich wünsche dir ebenfalls eine gute Nacht.

 

Kl. König: Ja, auf Wiedersehen ( weiter zu den Kindern ): . . .jetzt gehen sie schon weg? Ich hätte doch gerne noch mit ihnen gesprochen. Ich glaube, für diese Könige bin ich zu klein. Was werden sie wohl über mich gedacht haben? Es waren schon seltsame Gestalten – die drei Könige.

Lied: Lasst uns miteinander . . .



3. Fastenwoche

Moderator: Wisst ihr noch, was der kleine König so gerne gegessen hat. Ich hab richtig Hunger bekommen. Wisst ihr was, wir werden uns jetzt auch erst einmal stärken. Es gibt für jeden Brot und Gurken.

 

Aber vorher: Laßt uns Gott danken, dass wir genug zu essen und zu trinken haben.

Wir wollen danken für alle guten Gaben, danken, dass wir zu essen haben.

 

Lied: Danke für diesen guten Morgen...

 

Moderator: Kinder schnell, nehmt euer Fernrohr zur Hand. Ich glaub, gleich geht der Stern wieder auf.

 

( Der kleine König kommt wieder auf die Bühne. )

 

Moderator: Ja, sag mal, du bist ja fix und fertig. Komm, setz dich zu mir und ruhe dich erst einmal aus. Für dein Pferd haben wir hier ein Plätzchen und für deine vielen Geschenke auch.

 

Kl. König: So ein langer, mühsamer Weg, über Berge und Täler und Wüsten. So viele Menschen, denen ich helfen wollte – ich kann nicht mehr!

 

( Moderator gibt dem kleinen König zu essen ab. Der isst und zieht dann sein Fernrohr aus der Tasche.)

 

Kl. König: Jetzt geht’s mir besser. Ich will noch schnell sehen, ob ich ihn nicht entdecken kann. ( sucht umher )

 

Moderator: Darf ich fragen, wen du jetzt suchst?

 

Kl. König: Na, meinen Stern, der mich zu dem neugeborenen König bringen wird. Manchmal scheint er mit ganz nahe zu sein, dann sehe ich deutlich, kann ihn beinahe anfassen – aber er verschwindet immer wieder schnell und bleibt dann unsichtbar: - - - sag mal, was kommt denn da für ein Schiff in den Hafen?

 

Moderator: Ach, das ist nur eine Galeere.

 

Kl. König: Ne Galeere?

 

Moderator: Ja schau. Die Menschen, die die Ruder bewegen, sind Gefangene, entweder weil sie etwas Schlechtes getan haben, manche sind aber auch unverschuldet in Not geraten. Aber egal – sie tun mir leid, denn dass Leben auf so einem Schiff ist mehr als ein Mensch ertragen kann! Tag und Nacht müssen sie rudern Die meisten sterben nach ein paar Jahren vor Erschöpfung.

 

Mutter: Nein! Nein! Das dürft ihr nicht! Ihr dürft meinen Jungen nicht mitnehmen! Er hat doch nichts getan und ist doch noch ein Kind!

 

Soldat: Geh aus dem Weg, Frau! Gesetz ist Gesetz! Ihr könnt eure Schulden nicht bezahlen und so wird dein Sohn sie abarbeiten mit Zins und Zinseszins bis auf den letzten Pfennig!

 

Mutter: So habt doch Erbarmen! Der Junge ist das Einzige, was mir noch geblieben ist in meinem Leben. Wie soll ich denn alleine zurecht kommen? ( Versucht den Jungen von den Soldaten los zu reißen )

 

Kl. König: Da muss man doch etwas tun! Können wir da nicht helfen?

 

Moderator: Ich fürchte, nein! Das sind nun mal die Gesetze hier. Der Junge wird auf die Galeere gehen müssen.

 

 

Kl. König: Da habe ich eine Idee... wenn ich für das Kind auf die Galeere gehe und die Strafe auf mich nehme.

Moderator: Ist das dein ernst? Das ist das härteste Leben, das du dir vorstellen kannst: immer in Ketten, bei Wasser und Brot, rudern von früh bis spät ohne Pause und dazu ganz allein sein!

 

Kl. König: Ich muss einfach helfen, da gibt es nichts mehr zu bedenken. Nur die Geschenke und mein Pferd kann ich nicht mitnehmen. Pass du gut darauf auf, bis ich wiederkomme!

 

( Kl. König geht zu dem Soldaten)

 

Kl. König: Lasst den Jungen laufen! Schaut mal, er ist doch wirklich noch viel zu jung und zu schwach für die Galeere und würde euch nicht lange nützlich sein. Lasst ihn bei seiner Mutter und nehmt mich für ihn!

 

Soldat: ( Lachen ) So ein Narr! Der weiß wohl nicht, was auf ihn zukommt! Aber kräftiger als der Bengel ist er allemal und unserem Herrn ist es egal, wer die Schulden abrudert! ( Schiebt den Jungen der Mutter zu ) Glück gehabt, Kleiner!

 

(Die Mutter umarmt den König)

 

Mutter: Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh und dankbar ich bin.

 

Soldat: ( packt den König ): Genug geredet, auf geht`s in dein neues Leben. Du wirst dich noch wundern!

 

Lied: Wo ich gehe...



4. Fastenwoche

Moderator: Viele Jahre ist er an Bord dieses schrecklichen Schiffs gewesen. Unser kleiner König. Wir wollen sie einmal zählen, diese vielen Jahre. Achtet mal darauf, wie oft der Gong schlägt. Und dann, denke ich, müssen wir dem kleinen König beim Rudern helfen. Bei jedem Gongschlag rudern wir einmal.

 

( Gong schlägt dazu 30 Jahre – Kindern rudern mit )

 

Die Galeere legt an. Der kleine König sieht um Jahre gealtert aus. Der Stern geht unter.

 

Galeerenbesitzer: Alles bereit zum Anlegen. Leinen überwerfen. He du, bring mir den alten Mann von Bord. Er taugt nicht mehr zum Rudern. Alt geworden ist er hier an Bord. Kaum einer hat so lange durchgehalten. Nun ist`s genug. Bring ihn an Land. Er soll gehen, wohin er mag.

 

Moderator: Schaut nur Kinder, er hat`s überstanden, unser kleiner König. Aber ich glaube, sein Weg ist nun zu Ende. Ganz kraftlos sieht er aus. Kein Wunder: nach diesen vielen Jahren an Bord dieses schlimmen Schiffes. ( Der kleine König rappelt sich hoch. Schleppt sich mühsam und langsam in Richtung Bühne. Von hinten kommen Kleophas und Levi)

 

Kleopas: He Alter, geh aus dem Weg. Wir haben`s eilig!

 

Levi: Sei nicht so grob, Kleopas, siehst du nicht, dass er nicht mehr kann. Er ist fertig, er braucht Hilfe. Komm, wir wollen ihn unterfassen.

 

Kleopas: Spinnst du, wir müssen nach Jerusalem. Die anderen sollen sich auch freuen. Wir dürfen uns nicht aufhalten lassen. Komm schnell, Levi. Der kommt schon allein zurecht.

 

Levi: Das kannst du nicht machen. Hast du alles vergessen, was Jesus uns beigebracht hat? Wenn Ihr einem, der in Not ist, zu Hilfe kommt, hat er gesagt, dann ist es so, als ob ihr mir helft. Wir können den alten Mann hier nicht liegen lassen. Komm, wir fassen ihn unter.

 

Lied: Halte zu mir guter Gott...

 

Levi: Puh, ich brauche eine Pause.

 

Kleopas: Und ich will endlich wissen, wem wir hier eigentlich weiterhelfen. Wie heißt du, guter Mann?

 

Moderator: Soll ich ihn euch vorstellen. Der Mann, dem ihr da helft, er ist einen weiten Weg gegangen. Wir alle haben ihn dabei begleitet. Er war einmal ein König in einem fernen Land. Eines Tages hat er einen Stern gesehn. Heller als alle anderen Sterne, und er hat sich auf den Weg gemacht. Vor vielen Jahren. Er wollte dem neugeborenen König der Welt seine Geschenke bringen. Hier hab ich sie noch. Die letzten Jahre hat er auf einer Galeere verbracht. Alt geworden ist er dabei. Und schwach, und dabei hat er nur helfen wollen.

 

Levi: Den neugeborenen König der Welt hat er gesucht, sagst du?

 

Kleiner König: Ja, ich sah einen Stern. Vor vielen Jahren. Aber nun bin ich wohl zu spät gekommen.

 

Kleopas: Vielleicht auch nicht, kleiner König. Lass dir erzählen – von Jesus.

 

Levi: ( Bild von Geburt mit Königen und Stern )Als Jesus geboren wurde, den wir heute unseren Herrn nenne, da waren seine Eltern gerade unterwegs. In einem Stall waren sie untergekommen. So etwas hatten Ochs und Esel noch nicht gesehn. Und über dem Stall, da stand damals ein Stern. Hell und strahlend am Himmel.

 

Kleiner König: Mein Stern.

 

Kleopas: Ja, ich glaube, das war dein Stern. Und da waren auch drei Kollegen von dir. Große Geschenke brachten sie mit. Prächtige Gewänder hatten sie an. Und beugten doch vor dem Kind in der Krippe die Knie.

 

Kleiner König: Das waren Kasper, Melchior und Balthasar. Ich bin ihnen begegnet – vor langer Zeit. ( Zu den Kindern) Wisst ihr noch „ Es ist allgemein bekannt“ und „ ist Rußland nicht dieses kleine Land hinter den sieben Bergen“ und „ Wir sollten nichts überstürzen“ ...

Sie haben den König also gefunden. Und dann, was wurde aus dem Kind?

 

Levi: Aus dem kleinen Baby wurde ein Mann. Jesus. Wir gehörten zu seinen Freunden. Zogen mit ihm durchs Land. ( Bild: Heilungsszene).

Es war eine tolle Zeit. Vielen hat er geholfen. Kranke gesund gemacht, Verfolgte geschützt, Traurige getröstet, Gebeugte aufgerichtet.

( Bild: Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag...)

 

Kleopas: (Bild: Verhaftungsszene) Aber Jesus hatte auch Feinde. Es gefiel manchen nicht, was er tat und sagte. Er redete von Gott so anders. Nannte ihn seinen Vater. Und eines Tages haben sie ihn geholt. Gefangen genommen. Weggeschleppt. Wir waren ganz durcheinander. Und voller Angst um unser Leben. Weggerannt sind wir. So waren nur ein paar Frauen dabei, als sie ihn schließlich zum Tode verurteilten. Er habe Gott gelästert, haben sie gesagt.

 

Kleiner König: Dann ist er tot? Und ich komme zu spät?

 

Kleopas: (springt auf, freudig) Nein, kleiner König, du kommst nicht zu spät. Der, den du suchst, lebt.

 

Lied: Wo ich gehe ....



5. Fastenwoche

Levi: Das ist es doch, was wir unseren Freunden in Jerusalem so schnell erzählen wollen. Wir sind Jesus begegnet. Jesus ist auferstanden. Er lebt und wird immer bei uns sein.

 

Kleopas: Weißt du, das war so: ( Dia Nr. 10 : zwei traurige Jünger auf dem Weg nach Emmaus) wir waren total fertig, als Jesus gestorben war. Immerzu haben wir nur davon geredet, wie schön es mit ihm war. Aber unser Herz war traurig dabei. Nie wieder sollte es so werden, haben wir gedacht. Wir waren auf dem Weg nach Hause, nach Emmaus.

 

Levi: Da stellt sich plötzlich ein Fremder zu uns. ( Dia) Er fragt: Warum seid ihr so traurig? Da haben wir ihm seinen Kummer erzählt.

 

Kleopas: Und schon da wurde ich wieder ein bisschen froh, glaub ich.

 

Levi: ( Dia Nr. 11 : Brot brechen) Und dann haben wir den Fremden mit in unser Haus genommen. Wir haben Abendbrot gegessen. Und da nahm der Fremde das Brot, so wie Jesus es immer getan hat, er hat es gebrochen und dann an uns verteilt.

 

Kleopas: Und da fiel es uns wie Schuppen von den Augen. Der Fremde war Jesus. „ Jesus, bist du es wirklich?“ wollte ich rufen, aber da war Jesus nicht mehr zu sehen. ( Dia Nr. 12 )

 

Levi: Da hat es uns nicht mehr gehalten. Das müssen wir den anderen erzählen. Deshalb sind wir hier.

 

Kleopas: Und weißt du was, kleiner König, du kommst mit uns. Das habe ich gemerkt: Du gehörst schon lange zu den Freunden von Jesus. Du gehörst zu uns. Komm mit, wir wollen in Jerusalem ein großes Fest feiern. Und du sollst dabei unser Ehrengast sein.

Stern geht auf -

Kleiner König: ( nun ist der Stern noch einmal zu sehn...) Schaut nur, da ist er wieder, mein Stern. Ganz hell.

 

Moderator: Ja, kleiner König, und nun bist du am Ziel.

 

Moderator: Und dann hat es ein großes Fest gegeben. Ein Fest der Freude darüber, dass Jesus lebt. Und unser kleiner König hat mitgefeiert: voller Freude, dass er doch noch rechtzeitig gekommen ist. Er gehörte schon längst zu den Freunden von Jesus.

 

Lied: Wenn ich fröhlich bin ...

 

Moderator: Zu einem richtigen Fest gehören auch Geschenke. Sag mal, kleiner König, wie wäre es. Deine Geschenke kannst du ja dem König nicht mehr bringen. Aber allen Kindern hier könntest du eine Freude machen. Ist das o.k.?

 

Kleiner König: Ja, hier habe ich noch ein kleines Säckchen mit ganz vielen Glückssteinen. Die werde ich an alle Kinder verteilen.

 

Lied: Wir singen alle hallelu...